In einer Serie fragt die Leipziger Volkszeitung verschiedene Persönlichkeiten nach ihren Visionen für die Stadt Leipzig. In meiner Arbeit als Utopietesterin ist mir aufgefallen, dass in Innenstädten immer weniger Orte zum Austausch gibt. Nur an unkommerziellen Begegnungsorten entsteht aber eine offene Gemeinschaft. Was wäre, wenn wir der Freiheit wieder Bühnen bauen? Nicht als Metapher, sondern aus Holz, Licht und Raum.
Leipzig ist eine Stadt voller Menschen, die miteinander diskutieren, tauschen, teilen, singen, tanzen, feiern. Diese Leichtigkeit macht einen großen Reiz von Leipzig aus. Man könnte sagen, es ist der „Vibe“ von Leipzig. Aber: Die Menschen kommen immer seltener dazu, sich frei auszutauschen. Denn es fehlt an Orten, wo sie ohne Konsumzwang zusammenkommen können.
Ich wünsche mir, dass der Leipziger Freiheit Bühnen gebaut werden – und zwar nicht im abstrakten Sinne, sondern tatsächlich ganz konkret: mit Pavillons. Wir kennen Musik- und Tanzpavillons in anderen großen europäischen Städten wie Paris, London und Wien, aber auch in Kurbädern wie Baden-Baden oder Wiesbaden.
Und natürlich hat auch Leipzig einige wunderschöne Musikpavillons in seinen Parks. In der Belle Époche um die Jahrhundertwende und der Zwischenkriegszeit waren die kleinen überdachten Bauwerke der Ausdruck eines wachsenden Bedürfnisses nach Freizeit und Freiheit in Europa. Wie poetische Inseln stehen sie teilweise bis heute in Parks und Gärten, an Kreuzungen und Straßenrändern, am Seeufer oder Strand.
In Paris habe ich mitten im Stadtraum beispielsweise überall hölzerne Pavillons gesehen, wo sich Breakdancer zum Üben getroffen haben, Frauen gepicknickt oder Jugendliche zum Rumhängen verabredet haben. Weil sie etwas erhöht und gut ausgeleuchtet waren, fühlen sich dort auch Menschen sicher, die sich niemals im Dunkeln auf eine Bank setzen würden oder an einem kühleren Tag auf den nasskalten Parkboden. Helle, erhöhte, gut ausgestattete Pavillons sind „safer spaces“ – also Orte, die allein durch ihre Architektur ein etwas sichereres Gefühl im öffentlichen Raum geben.
Ich glaube, dass es mehr solcher schönen Orte braucht, damit wir die großen Visionen von Gemeinschaft, Solidarität, Demokratie, Hoffnung, Freude nicht nur beschreiben, sondern sie in eine anfassbare Form bringen.
Auf den Podesten der Stadt ist ein Musiker mit seiner Flöte genauso wertvoll wie ein romantisches Date genauso wie ein improvisiertes Kindertheater genauso wie ein Zoomcall mit dem Arbeitgeber genauso wie eine kleine Tango-Milonga genauso wie eine Klamottentausch-Party genauso wie ein Bürgersingen genauso wie ein gemeinsames Abendessen mit Nachbarn. Es sind die Podeste des Leipziger Lebens.





